Gladbeck Brauck
Meilensteine
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Gebietscharakter und Ausgangslage
Brauck B 1926 – 1938 (Quelle: Stadtarchiv Gladbeck) Brauck B 1926 – 1938 (Quelle: Stadtarchiv Gladbeck)

Brauck ist ein typischer Ruhrgebietsstadtteil. Städtebauliche, ökonomische und kulturelle Gemengelagen bestimmen das Siedlungsbild. Seit 1904 wurde in Brauck auf der Zeche Mathias Stinnes III/IV Kohle gefördert. Brauck wuchs um die Schachtanlage herum von einer ehemals agrarischen Streusiedlung zu einem nunmehr bergbaulich geprägten Ortsteil Gladbecks heran.

Die Braucker Zeche einschließlich einer Kokerei stellte den Betrieb im Jahr 1967 endgültig ein. Sie hatte den Stadtteil geprägt, das Leben vereinheitlicht und die Menschen an sich gebunden. Mit dem Wegfall von 2.000 Arbeitsplätzen verlor der Ortsteil gleichzeitig seinen Bezugspunkt. Trotzdem bleibt Brauck ein Stadtteil, der noch tief in der Bergbaukrise der 1960er Jahre verwurzelt ist. Und dies, obwohl seit fast 40 Jahren keine Kohle im Stadtteil mehr gefördert bzw. veredelt worden ist.

Auf einer Fläche von 610 ha lebten in Brauck Ende 2006 17.535 Einwohner/-innen, das sind fast 23 % der Gladbecker Bevölkerung. Der „Pütt“ hatte 1961 auch die ersten „Gastarbeiter“ nach Gladbeck geholt. Heute ist Brauck der Stadtteil Gladbecks mit dem höchsten Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung (19,2 %).

Brauck wird im Westen und Norden durch zwei stark befahrene Verkehrsadern, die Bundesstraße 224 und die BAB 2, begrenzt. Im Süden und Osten bildet die Stadtgrenze die administrative Grenze. Vor allem die in Hochlage geführte BAB 2 mit nur wenigen Unterquerungen bildet eine deutliche Zäsur und hat eine spürbare Trennwirkung zum angrenzenden Gladbecker Stadtteil Butendorf.

Entlang der Boye an der Grenze zu Bottrop dominiert eine ausgedehnte Haldenlandschaft den Westen des Stadtteils. Im Norden und Westen schließen sich die Stadtteile Butendorf und Ellinghorst an, im Südwesten und Süden der Bottroper Stadtteil Boy sowie der Essener Stadtteil Karnap. Östlich und südöstlich grenzt der Gelsenkirchener Stadtbezirk West mit den Ortsteilen Horst und Beckhausen an.

Bei Aufnahme des Stadtteils in das Programm Soziale Stadt NRW bestand erheblicher Handlungsbedarf in städtebaulicher und sozialer Hinsicht:

  • Trennwirkung durch Verkehrsbänder
  • Modernisierungsbedarf und Wohnumfeldmängel
  • Städtebauliche und ökologische Defizite
  • Unattraktive Schulhöfe –Defizite in der Spielraumversorgung
  • Kleinräumige Konzentration sozialer und baulicher Problemlagen
  • Schlechte räumliche Unterbringung der Jugendhilfeangebote
  • Überdurchschnittlich hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund
  • Erhöhter Anteil Kinder und Jugendlicher
  • Integrationsprobleme in Schulen und Kindergärten
  • Schlechter Gesundheitszustand bei Erstklässlern
  • Sportmotorische Defizite bei Kindern und Jugendlichen

Potenziale und Handlungsansätze

Gleichwohl verfügte der Stadtteil auch über Potenziale und Chancen, die es stärker heraus zu arbeiten galt. Insbesondere das hohe Engagement des Runden Tisches in Brauck, der sich schon viele Jahre mit der Aufwertung des Stadtteils befasste, oder anderer Akteure aus Brauck boten eine gute Voraussetzung für einen gemeinsamen Prozess der Stadtteilentwicklung.

Das Integrierte Handlungskonzept zielt auf die Vernetzung und Beteiligung von Bürger/-innen und Akteuren sowie auf die Stärkung der Identifikation mit dem Stadtteil ab.

Dabei verknüpft das Integrierte Handlungskonzept Brauck verschiedene kommunale Handlungsfelder zu einem Maßnahmenbündel unter Berücksichtigung der Verbesserungswünsche der Brauckerinnen und Braucker.

Folgende Maßnahmen wurden mit Priorität entwickelt und umgesetzt:

  • Durchführung des Stadtteilmanagements
  • Modernisierung und Wohnumfeldverbesserungen in den Bergarbeitersiedlungen
  • Schulhofumgestaltungen an zwei Standorten mit jeweils zwei Schulen
  • Auflösung eines sozialen Brennpunktes im Eingangsbereich von zwei Schulen, Schulhofumgestaltung sowie Verbesserung des freien Spiel-, Sport- und Jugendarbeitsangebotes
  • Ergänzung und Verbesserung der Angebote für Kinder und Jugendliche
  • Verbesserung der Lokalen Ökonomie inkl. Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen
  • Sprachförderung für Mütter mit Migrationshintergrund
  • Integrative/multiethnische Minigruppenarbeit für Eltern mit Kindern unter 3 Jahren
  • Aufbau eine niederschwelligen Bildungsangebotes für junge Familien
  • Neubau eines Begegnungszentrums
  • Umgestaltung Ortsteilspielplatz Hunsrückstraße
  • Einrichtung eines Frauentreffs in Brauck
  • Etablierung des Internationalen Mädchenzentrums in Brauck
  • Von der Arbeit mit Jungen zur Jungenpädagogik
  • Erstellung eines Integrationskonzeptes
  • Aufarbeitung und Präsentation der Stadtteilgeschichte durch die Geschichtswerkstatt, Geschichtsbuch Brauck
  • regelmäßiges Stadtteilfest
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen für alte und behinderte Menschen

Organisation und Lokale Partner

Die Projektleitung ist mit den Vertretungen des Sozialamtes und des Amtes für Stadtplanung und Bauaufsicht gleichberechtigt besetzt. Eine verwaltungsinterne Projektsteuerungsgruppe begleitet den Prozess und gestaltet die Leitlinien der Projektentwicklung. Motor für die Erneuerung im Stadtteil und für die Aktivierung und Vernetzung der Akteure ist das Stadtteilbüro in der Hunsrückstraße. Der Runde Tisch Brauck, der sich aus Vertretungen verschiedenster Einrichtungen und aller Parteien zusammensetzt, stellt den Multiplikator im Stadtteil dar, gibt Anregungen und Empfehlungen für die Projekte und entscheidet über den Verfügungsfonds.

 

Chronologie der Erneuerung – Meilensteine und Projektbeispiele
2002
Verabschiedung des Integrierten Handlungskonzeptes
2005
Beginn der Stadtteilarbeit in Brauck, u.a. mit der Wohnumfeldverbesserung und dem Fassadenprogramm Brauck A:
Die zwischen 1912 und 1925 errichtete ehemalige Bergarbeitersiedlung „Brauck A“ ist ein herausragendes Beispiel für den vom Gartenstadtgedanken geprägten Wohnungsbau der letzten Jahrhundertwende. Noch weitgehend unverändert zeigt sich die damalige Bauauffassung von Haus und Siedlung, die auch heute noch als Vorbild für einen menschlichen Städtebau dienen kann. Unterschiedliche Gebäudetypen und abwechslungsreiche Straßenräume, besondere Platzsituationen an Kreuzungen sowie das Grün der parkartigen Vorgartenzonen und des alten Baumbestandes schaffen ein harmonisches Siedlungsbild. Die Fördermittel für das Fassadenprogramm für die denkmalgeschützte Siedlung Brauck A waren durch den hohen Grad der Privatisierung und die sehr gute Annahme des Förderprogramms durch die neuen Eigentümerinnen und Eigentümer überraschend schnell ausgeschöpft, d.h. schon ausgezahlt bzw. vertraglich reserviert worden.
Bergarbeiterhaus vorher und nachher Bergarbeiterhaus vorher und nachher
Feb 2005
Aufbau des Netzwerks Mediation
Jun 2005
Eröffnung des Stadtteilbüros in die Hunsrückstraße

Start des Hof- und Hausflächenprogrammes

Nov 2005
Entwicklung des Konzeptes zur Umgestaltung des Bereichs Kortenkamp
Seit Dez 2005
Beginn der Sprachkurse für Frauen mit Migrationshintergrund
Seit 2006
Erneuerung des Schulhofs Roßheide-/Schillerschule mit Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen
Stadtteilfeste „Hand in Hand in Brauck".

Umzug des Internationalen Mädchenzentrums aus der Stadtmitte in die Boystraße nach Brauck, für drei Jahre.

Beginn der Maßnahme „Haushaltsnahe Dienstleistungen für alte und behinderte Menschen".

Integrative / Multiethnische Minigruppen für Familien mit Kindern unter drei Jahren.

Ausbildung der Minigruppen-Leiterinnen und Start der Minigruppen Das Hauptziel ist das spielerische Erlernen der türkischen Hochsprache

Qualifizierungsmaßnahme „Vorpflegerische Hilfen“ – ein Projekt der rebeq GmbH in Kooperation mit der Bezirksstelle Gladbeck, der Vestischen Arbeit in Recklinghausen und der Stadt Gladbeck. In vier laufenden Maßnahmen werden je 24 Personen mit ALG II-Bezug für die Unterstützung älterer, kranker und bedürftiger Menschen in Brauck qualifiziert. Weiteres Ziel ist die Vermittlung in den Arbeitsmarkt.

Seit Feb 2007
Start der Maßnahme „Niederschwelliges Bildungsangebot für junge Familien mit Kindern unter drei Jahren"
Feb 2007
Erstellen der Studie „Lokale Ökonomie Brauck"
Aug 2007
Xenos-Projekt „Job Fit Brauck“: Qualifizierung von jungen erwerbslosen Menschen im Stadtteil
Seit Nov 2007
Umbau des Schulhofes der Antonius-/Rosenhügelschule mit Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme des Berufsfortbildungswerkes des DGB
2008
Alt trifft Jung / Jung trifft Alt

Kooperationsprojekt Soziale Stadt Brauck, Stadtumbau West Rentfort-Nord

Seit 2008 bis 2010
Tagungsreihe „Jungen im Blick – auch in Brauck?“ in Kooperation mit der FUMA Fachstelle Gender NRW. In vier Veranstaltungen mit je 40 MultiplikatorInnen wurden folgende Themen diskutiert:
  • Jungensozialisation und Lebenslagen
  • Gewalt, Männlichkeitskonstruktion, Der neue Blick auf den Mann
  • Gender Parcours ‚Mischen is Possible’
  • Interkulturelle Jungenarbeit; Der Blick auf den Stadtteil!

Einrichtung des Frauentreffs Brauck in Kooperation mit der Frauenberatungsstelle Gladbeck, Förderung für drei Jahre

2009
Einrichtung der Geschichtswerkstatt Brauck mit dem Ziel der Erstellung eines Geschichtsbuches über Brauck, bestehend aus Geschichten und Interviews von Brauckerinnen und Brauckern.

Fotoprojekt: „Brauckerinnen und Braucker haben die Nase vorn ...“: Menschen aus Brauck wurden in den Blick genommen, die aktiv für den Stadtteil und seine Menschen „da sind“. Es sind Menschen aus sehr unterschiedlichen Lebenszusammenhängen. So gibt dieses Projekt ihnen eine Plattform, sich im Stadtteil vorzustellen und gleichzeitig erfahren die Menschen im Stadtteil mehr über ihre MitbewohnerInnen. Jeweils 6 Fotos werden auf Plakate gedruckt und in Geschäften und Einrichtungen aufgehängt.

2009 – 2010
Bau eines medizinischen Versorgungszentrums mit betreutem Wohnen an der Brauckstraße
Erstellung eines Integrationskonzeptes für Brauck

Bau des Ortsteilspielplatzes Hunsrückstraße

Bau der Kooperationsmaßnahme Emschergenossenschaft – Soziale Stadt Gladbeck-Brauck ‚Wassererlebnispfad Unser Hahnenbach‘

Perspektiven

Mit den Schulhofumgestaltungen ist zunächst im baulichen Bereich der Schwerpunkt gesetzt worden, dabei deckt das Umgestaltungskonzept Kortenkamp eine Vielfalt an Themenfeldern ab. Hierbei ist die Aufhebung des sozialen Brennpunktes an der Horster Straße zu nennen ebenso wie die Aufwertung der Jugendarbeit an diesem Standort.

Als außerordentlich wichtige weitere Maßnahme ist der Neubau des Begegnungszentrums Brauck zu nennen. Die Analyseergebnisse des Integrierten Handlungskonzeptes für den Stadtteil Brauck und die Diskussionen in der Bevölkerung, aber auch am „Runden Tisch“, machten deutlich, dass die im Stadtteil vorhandenen Räumlichkeiten für die Kinder- und Jugendarbeit erhebliche Mängel aufweisen. Deshalb wurde der Wunsch nach einer multifunktional nutzbaren, nicht konfessions- oder trägergebundenen Begegnungsstätte im Ortsteil Brauck laut.

Im Rahmen der weiteren Projektarbeit an der baulich-sozialen Stadtteilentwicklung wurde ein Konzept für die Maßnahme ‚Begegnungszentrum Brauck‘ erarbeitet, welches unterstellt, dass die Zukunftschancen des Stadtteils Brauck eng mit den Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten der hier lebenden Kinder und Jugendlichen verknüpft sind. Dabei soll die Maßnahme ‚Begegnungszentrum Brauck‘ nicht nur ein neues Kinder- und Jugendangebot darstellen, sondern vor allem innovative Ansätze für die Themenfelder ‚Integration‘ sowie ‚Stärkung der Familien- und Stadtteilidentität‘ für unterschiedliche Zielgruppen aufgreifen und umsetzen.

Das geplante Neubauvorhaben ist Bestandteil des Förderantrages 2008 und wurde in der Zwischenzeit vom Zuschussgeber bewilligt. Nach Prüfung unterschiedlicher möglicher Standorte für das Begegnungszentrum steht nunmehr die Entscheidung über die Umnutzung einer städtischen Bestandsliegenschaft bevor. Die entsprechenden baulichen Umgestaltungen für das Gebäude und das zugehörige Außengelände befinden sich zurzeit in der Planungsphase.

An sozialintegrativen Maßnahmen sind neben den Sprachkursen für Erwachsene die Bildungsangebote und Minigruppen für die jungen Familien von besonderer Relevanz. Sie stellen sich den Fragen zur Erziehung, Gesundheit und Wertevermittlung sowie dem Spracherwerb von Kindern unter drei Jahren.

Darüber hinaus ist das Projekt ‚Entwicklung eines Integrationskonzeptes’ und die sich daraus ergebenden Projekte zur Integration der Hintergrund für vielfältige Maßnahmen, Workshops und Arbeitsgruppen.

Ein besonderer Blick wird auf die Jungen in Brauck geworfen. Aus dem Projekt ‚Jungen im Blick, auch in Brauck?‘ in Kooperation mit FUMA, Essen, hat sich das Projekt ‚Von der Jungenarbeit zur Jungenpädagogik’ entwickelt, das bei einer Bewilligung 2011 für zwei Jahre starten wird.

Das Werkstatttheater Brauck hat sich aus der generationsübergreifenden, einjährigen Arbeit ‚Alt trifft Jung / Jung trifft Alt’ entwickelt und ist Bestandteil des Förderantrags 2010. Bei einer Bewilligung soll ein ‚Hinterhof-Werkstatt-Theater’ generationsübergreifend und multikulturell entstehen.

Als besonders herausragender sozial-integrativer Projektbestandteil zu nennen bleibt an dieser Stelle die weitere Arbeit an der Umsetzung des nunmehr erarbeiteten Integrationskonzeptes für den Stadtteil Brauck. Brauck ist der Stadtteil mit dem höchsten MigrantInnenanteil und bietet sich zur Erarbeitung eines modellhaften Integrationskonzeptes an. Ziel des Konzeptes ist eine Bestandsaufnahme der Projekte, die bereits stattfinden oder die geplant und noch zu entwickeln sind. Im Rahmen von umfangreichen Beteiligungen im Stadtteil, geführt durch das beauftragte Institut für Einheit in Vielfalt, Hanau, wurde der Entwurf des Braucker Integrationskonzeptes erarbeitet, welches zurzeit in unterschiedlichen kommunalen Gremien diskutiert und beraten wird. Nach der Abstimmung im Stadtrat geht es zügig an die Entwicklung und Umsetzung der abgeleiteten Projekte in Brauck.

 

Materialien zum Download

Integriertes Handlungskonzept (PDF 4 MB)

Kurzfassung Studie Lokale Ökonomie Brauck (PDF 181 KB)

Flyer Stadtteilbüro Brauck (PDF 1,2 MB)



 Ansprechpartner

Projektleitung

Rainer Böddeker
Stadt Gladbeck
Amt für Familie, Jugend und Soziales
Willy-Brandt-Platz 2
45964 Gladbeck
Fon: +49 (0)2043 – 99-2219
E-Mail:
rainer.boeddeker@stadt-gladbeck.de

Carola Paß-Claßen
Stadt Gladbeck
Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht
Willy-Brandt-Platz 2
45964 Gladbeck
Fon: +49 (0) 2043 – 99-2503
E-Mail:
carola.pass-classen@stadt-gladbeck.de

Stadtteilbüro Brauck

Petra Appelhoff
Stadt Gladbeck
Hunsrückstr. 4
45968 Gladbeck
Fon: +49 (0) 2043 – 929774
E-Mail: stadtteilbuerobrauck@web.de

Stadtteilbüro Brauck
Tülin Kabis-Staubach
Regina Hermanns
Stadt Gladbeck
45968 Gladbeck
Fon: +49 (0) 2043 – 9926636
E-Mail:
regina.hermanns@stadt-gladbeck.de

Stand: Juni 2010
Autorinnen: Petra Appelhoff, Carola Paß-Claßen

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